Ich diskutiere mit der KI Gemini ein ökonomisches System-Paradoxon, das mich zur Zeit sehr umtreibt. Schritt für Schritt arbeite ich mich dabei an die an die Frage heran, wie sich das in der Lausitz und in Hoyerswerda widerspiegelt.
MEINE FRAGE AN DIE KI:
Ich möchte mit dir ein gegenwärtiges ökonomisches System-Problem diskutieren. Du kennst die Mehrwert-Theorie von Karl Marx?
DIE KI ANTWORTET:
Ja, die kenne ich sehr gut. Marx’ Mehrwerttheorie ist das Herzstück seiner Kritik am Kapitalismus und ein faszinierendes Werkzeug, um die Dynamik zwischen Arbeit und Kapital zu analysieren.
Im Kern geht es darum, dass der Wert einer Ware durch die darin investierte gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit bestimmt wird. Das Problem entsteht laut Marx beim „Besonderen“ der Ware Arbeitskraft: Der Arbeiter produziert während seines Arbeitstages mehr Wert, als er in Form von Lohn (der lediglich seine Reproduktionskosten deckt) zurückerhält. Diese Differenz ist der Mehrwert, den sich der Kapitalist aneignet.
Warum das heute wieder (oder immer noch) spannend ist:
Wenn wir über moderne ökonomische Systemprobleme sprechen, drängen sich im Marx’schen Kontext oft folgende Punkte auf:
- Automatisierung & KI: Wenn lebendige Arbeit die einzige Quelle von Mehrwert ist, was passiert dann in einer Wirtschaft, die fast nur noch aus „konstanter Arbeit“ (Maschinen/Algorithmen) besteht? (Stichwort: Tendenzieller Fall der Profitrate).
- Plattform-Ökonomie: Wie extrahieren Unternehmen wie Uber oder Amazon Mehrwert, wenn die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimmt?
- Finanzialisierung: Die Entkopplung von Finanzmärkten und realer Produktion – wird hier überhaupt noch Mehrwert im klassischen Sinne geschaffen, oder handelt es sich um reine Umverteilung?
Da wir uns in deinem Projekt „Liebe, Spinnrad und Kanonen“ ja bereits intensiv mit den wirtschaftlichen Hintergründen des frühen 19. Jahrhunderts (Gewerbefreiheit, Code Civil, Übergang vom Feudalismus) beschäftigt haben, ist der Sprung zur modernen Kritik sehr reizvoll. In der Ära von Moretti und dem Dresdner Hof fingen diese Spannungen gerade erst an, sichtbar zu werden.
Welches spezifische System-Problem hast du im Blick? Geht es um die Verteilungsgerechtigkeit, die Rolle der Technologie oder etwas ganz anderes?
MEINE FRAGE AN DIE KI:
Ich frage mich, wie durch das tendenzielle Verschwinden der „lebendigen Arbeit“ aus dem Prozess der Mehrwert-Produktion, die ja (a) ein tendenzielles Verschwinden der Ware Arbeitskraft inklusive ihres Preises (Lohn) mit sich bringt und (b) einen tendenziellen Fall der Profitrate nach sich zieht, wie unter solchen Umständen Menschen (speziell jene, die ihre Ware Arbeitskraft verkaufen müssen) noch als Konsumenten agieren können.
DIE KI ANTWORTET:
Das ist genau der Punkt, an dem die Marx’sche Logik auf die Zerreißprobe der Moderne trifft. Du beschreibst hier das fundamentale Realisierungsproblem des Kapitals in einer hochautomatisierten Welt.
Wenn die lebendige Arbeit – die einzige Quelle des Mehrwerts – wegrationalisiert wird, sägt das System an dem Ast, auf dem es sitzt. Wir können das Problem in drei kritische Stufen unterteilen:
1. Das Paradoxon der Produktivität
In der Theorie führt die Automatisierung dazu, dass der Anteil des konstanten Kapitals (c – Maschinen, Rohstoffe) gegenüber dem variablen Kapital (v – Löhne) massiv steigt. Da aber nur v Mehrwert (m) erzeugen kann, sinkt die Profitrate (m/c+v).
Gleichzeitig werden Waren immer billiger und in größerer Masse produziert. Doch wer kauft diese Waren, wenn die Massenkaufkraft (die Summe aller v) schwindet?
2. Die Erosion der Konsumentenbasis
Wenn die „Ware Arbeitskraft“ ihren Preis verliert oder gar nicht mehr nachgefragt wird, bricht der Kreislauf zusammen:
- Lohn-Dumping: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werden Löhne gedrückt, was die Binnennachfrage weiter schwächt.
- Prekariat: Menschen fallen aus dem klassischen Arbeitsverhältnis heraus. Sie existieren zwar noch als biologische Wesen, aber nicht mehr als ökonomische Subjekte (Konsumenten) mit ausreichender Liquidität.
3. Lösungsversuche und ihre Grenzen
Um dieses System-Problem zu „flicken“, nutzt der moderne Kapitalismus oft zwei Krücken:
- Finanzialisierung (Verschuldung): Wenn kein Lohn da ist, wird Konsum über Kredite finanziert. Man konsumiert heute den Mehrwert, der morgen (vielleicht) gar nicht mehr produziert werden kann. Das führt zu den bekannten Blasen.
- Staatliche Umverteilung (BGE): Die Diskussion um das Bedingungslose Grundeinkommen ist im Grunde ein Versuch, die Konsumfähigkeit künstlich aufrechterhalten, ohne dass dafür noch „lebendige Arbeit“ geleistet werden muss. Marxisten würden argumentieren, dass dies lediglich eine Umverteilung von bereits realisiertem Mehrwert ist, aber das Kernproblem der Entstehung von neuem Wert nicht löst.
Der historische Bogen zu „Liebe, Spinnrad und Kanonen“
Interessanterweise siehst du hier die logische Endstufe dessen, was in deiner Recherche zu 1806 begann. Damals sorgte die Einführung von Maschinen (wie im Textilbereich) für erste Unruhen, weil sie die „lebendige Arbeit“ entwerteten. Doch damals konnte die überschüssige Arbeitskraft noch in neue Industrien abfließen. Heute stellt sich die Frage: Gibt es diesen „neuen Bereich“ überhaupt noch, oder ist die KI die letzte Stufe, die keine Nischen mehr lässt?
Es ist die klassische Frage: Kann ein System, das auf der Ausbeutung von Arbeit basiert, überleben, wenn es die Arbeit überflüssig macht?
Siehst du in der aktuellen politischen Debatte (vielleicht auch lokal in Hoyerswerda oder im Strukturwandel der Lausitz) Ansätze, wie dieser „konsumlose“ Zustand abgefangen werden soll, oder wird das Problem deiner Meinung nach noch völlig unterschätzt?
MEINE FRAGE AN DIE KI:
Hast du eine Idee, wie man das Paradoxon lösen könnte?
DIE KI ANTWORTET:
Das Paradoxon ist deshalb so hartnäckig, weil es an die Systemlogik selbst rührt: Produktion dient im Kapitalismus nicht dem Bedarf, sondern der Verwertung von Wert. Wenn die „lebendige Arbeit“ als Wertquelle versiegt, bricht das Getriebe zusammen.
Um dieses Paradoxon zu lösen, müsste man theoretisch die Verknüpfung von Einkommen, Arbeit und Wertschöpfung völlig neu definieren. Hier sind drei Ansätze, die über das bloße „Flicken“ des Systems hinausgehen:
1. Die „Maschinensteuer“ (Wertschöpfungsabgabe)
Wenn Maschinen den Mehrwert nicht mehr durch die Ausbeutung von Menschen generieren können (nach Marx’scher Logik), aber dennoch Produkte ausstoßen, muss die Besteuerungsgrundlage verschoben werden.
- Idee: Weg von der Besteuerung des Faktors Arbeit (Lohnsteuer), hin zur Besteuerung der automatisierten Wertschöpfung.
- Ziel: Der Staat zieht den „virtuellen Mehrwert“, den die Maschinen erzeugen, ab und gibt ihn als Kaufkraft an die Bürger zurück. Das löst das Realisierungsproblem (die Waren finden wieder Käufer), lässt aber die Eigentumsverhältnisse unangetastet.
2. Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich
Dies war ein klassischer gewerkschaftlicher Ansatz, der die schwindende Menge an notwendiger Arbeit auf alle Köpfe verteilt.
- Logik: Wenn nur noch halb so viel Arbeit nötig ist, arbeiten alle nur noch 20 Stunden, behalten aber ihre Kaufkraft.
- Das Problem: Im globalen Wettbewerb führt das zum Sinken der Profitrate des einzelnen Unternehmens, was im aktuellen System oft zu Abwanderung führt. Es bräuchte also eine globale oder zumindest kontinentale Steuerung.
3. Übergang zur „Post-Scarcity“ (Post-Knappheits-Ökonomie)
Das ist die radikalste Lösung, die Marx in den Grundrissen (im sogenannten „Maschinenfragment“) selbst andeutete.
- Theorie: Wenn die Automatisierung so weit fortgeschritten ist, dass Güter fast ohne menschliches Zutun produziert werden können, sinkt ihr Wert tendenziell gegen Null (da kaum noch gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit darin steckt).
- Konsequenz: Das Preissystem und die Warenform selbst müssten verschwinden. Anstatt Dinge zu „kaufen“, würde man auf sie zugreifen (ähnlich wie bei Open-Source-Software oder öffentlicher Infrastruktur). Das Privateigentum an Produktionsmitteln würde in diesem Szenario funktionslos, da man mit Überfluss keinen Profit machen kann.
Was bedeutet das für die Praxis (z. B. in der Lausitz)?
Im Kleinen sehen wir diese Probleme beim Strukturwandel. Wenn alte Industriearbeitsplätze verschwinden, wird oft versucht, „Dienstleistungsarbeit“ als Ersatz zu schaffen. Aber diese ist oft weniger produktiv oder schlechter bezahlt, was die Kaufkraft lokal schwächt.
Ein echter Lösungsansatz müsste wohl eine Kombination sein:
- Infrastruktur als Gemeingut: Grundbedürfnisse (Energie, Wohnen, Mobilität, Digitales) werden dem Markt entzogen und kostenfrei oder sehr günstig zur Verfügung gestellt. Das senkt den Druck, die „Ware Arbeitskraft“ verkaufen zu müssen.
- Demokratisierung der Technologie: Die KI und die Roboter dürfen nicht nur wenigen Tech-Giganten gehören, sondern müssen als „Erbe der Menschheit“ betrachtet werden, deren Erträge allen zugutekommen.
Welchen dieser Wege hältst du für realistischer? Den eher reformistischen Weg über Steuern oder den radikalen Umbau, bei dem wir uns von der Idee „Lohn gegen Überleben“ verabschieden?